Ein Fest für die (halbe) Familie

In Nürnberg wird man schon als ganz kleiner Bub vom Vater mit zum Glubb genommen. Und dann, wenn die Jahre vergangen sind, nimmt der Bub den Vater mit zum Glubb.

Zweimal hat der Golumnist seinen Vater dieses Jahr vom Achteck überzeugen können. Erst der Tiefpunkt der Saison, das 0:3 gegen Hertha in der Hinrunde. Und nun ein Höhepunkt: 3:0 für die richtige Mannschaft und eine tadellose Leistung gegen Kaiserslautern: Wie ein Traum, der nie vergeht.

Bub und Vater sind froh.

„Familie“ ist beim Aufeinandertreffen von FCN und FCK – zusammen immerhin 13-fache Deutsche Meister – schon allein deswegen ein passendes Thema, weil „Glubb“ und „rote Teufel“ zwei (schlecht gealterten) Onkeln ähneln und damit wichtige Bestandteile der deutschen Fußballfamilie sind. Außerdem bieten die Duelle mit den Pfälzern unserem Cheftrainer die Möglichkeit, seine eigene Familie in die neue Heimat zu locken oder sie am Betze zu besuchen. Eben dort wurde auch der Mythos der „Betzianer“ gegründet – die fränkischen Reisefreunde „auf dem Betze“ sind ja gewissermaßen die Glubb-Familie des Golumnisten.

Ja selbst die Mannschaft des 1.FC Nürnberg ähnelt einer Großfamilie: In der Innenverteidigung beschützen Mama Gruber und Papa Locho. Dahinter steht die Absicherung, Opa Reichert. Über außen flitzen die ungebundenen Tanten Yilmaz und Koudossou. Ganz vorne stürmen freche Cousins um Scobel, Zoma und Justvan. Und im Zentrum stehen die Buben: Adam, Rabby und Tommy.

Und wieder: frühes Tor

Wie schon beim letzten Vater-Sohn Besuch im Achteck, fiel das erste Tor bereits in den ersten Minuten und per Kopf. Statt Winkler hieß der Torschütze nun Luka Lochoshvili (2′). Anders als gegen Hertha in der Hinrunde profitierte Nürnberg vom frühen Treffer. Besonders das Zentrum schien beflügelt. Sky-Liebling Justvan hatte sichtlich Spaß, wie immer wenn sich der Rest der Mannschaft bemüht. Rabby Nzingoula grätschte sich schon früh in die Herzen der Zuschauer im Achteck und auf dem Betze, der sogar eine Verpflichtung für vier Millionen Euro als gutes Investment sieht. Und der dritte Bube im Bunde, Tom Baack, ackerte mal wieder ohne Pause und machte mit Ball das, was dem spielstarken Mittelfeld mit Becker oder Lubach oft fehlte: einfache Aktionen. Steil-Klatsch statt Zauberpass.

In dieser Manier überzeugte die gastgebende Familie über weite Strecken der ersten Halbzeit. Bei den vielen Flanken vermissten sie allerdings die Effizienz der Anfangsminuten. Stattdessen gaben die Gäste ein Lebenszeichen, blieben nach Einladung von Berkay Yilmaz aber zweimal erfolglos (37′). Trotzdem sollte der Club nach einer guten Halbzeit mit nur einem Tor gewarnt sein vor der zweiten Hälfte.

Aber diesaml: zwei gute Halbzeiten

Doch, anders als so oft in dieser Saison gelang es dem FCK nicht, den FCN in der zweiten Halbzeit zu entschlüsseln. Oder: endlich schaffte es der Glubb a mol, a gonzes Spül zu renna. Ganz vorne lief Piet Scobel, in den letzten Spielen häufig nur Reservist, zu Hochform auf. Der Pinneberger war stets der erste, der den gegnerischen Aufbau störte und steckte damit sogar verteidigungsfoule Spieler wie Julian Justvan an. Nürnberg stand Kaiserslautern 90 Minuten auf den Füßen und ließ die Teufel trotz kurzen Aufbäumens nicht in die Partie.

Dass Scobel auch mit Ball und ohne Treffer eine Bereicherung ist, zeigte er wenig später. Erst steckte er im Konter gut in die Schnittstelle zu Tom Baack, der über Zoma einen Elfmeter einleitete (Markhiev verwandelt, 58′). Dann legte er im Strafraum auf zu Lochoshvili, dem torgefährlichsten Innenverteidiger der Liga. Der George, unser Ibralochovic, vollstreckte in schwedischer Stürmer Manier (83′).

Privileg der Aussichtslosigkeit

Danach war das Spiel entschieden und der Club profitierte von seiner aussichtslosen Tabellenposition. Der Weg an die Spitze ist zu weit und die Abstiegsgefahr rückt durch den Heimsieg ebenfalls in angenehme Ferne. Also kann Nürnberg nun komfortable Führungen nutzen, um die gesamte Familie zu bespaßen. Für die Buben Rabby, Adam und Tommy kamen die Bübchen Fernandez, Becker und Soldic. Das brachte zwar eine Verjüngung, aber keinen Leistungsabfall. Im Gegenteil, die belebende und besonders selbstbewusste Jugend unterstrich die Breite des Kaders eindrucksvoll.

Danach war die Stimmung auf dem Betze, der Fußball-Familie des Golumnisten, uneingeschränkt positiv. Bei den Hoffmanns, der echten Familie des Golumnisten, wurde getrennt gefeiert: Die Männer ohne Genner. Und bei den Klose’s? Freute sich nur Miro, der Rest musste trüb nach Hause. Geteilte Freude herrscht nun sicher auch in der deutschen Fußballfamilie. Den Onkel vom Betze wird man nächstes Jahr höchstwahrscheinlich nicht auf Bundesliga-Feiern sehen, dafür bleibt der FCN dem 1. Unterhaus erhalten. Und Miro? Kann sich schon jetzt auf das nächste Fest für die (halbe) Familie freuen.

Dann, in der nächsten Saison, könnten die Aussichten generell besser werden. Nach dem Spiel heute hat es der Golumnist auf jeden Fall leichter, seinen Vater mit zum Glubb zu nehmen. Ja: wir kämpfen noch immer für Nürnberg

Ein froher Bub, Servus.

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