Energie-Effizienz im Achteck

Der Umbau das Max-Morlock-Stadions ist noch nicht einmal fertig geplant, doch schon jetzt überzeugt der FCN durch sparsames Heizen: Während die Profis des 1.FC Nürnberg mal wieder zum richtigen Zeitpunkt kurz den Turbo zündeten, setzten die Stadionbetreiber ausschließlich auf Sonnenergie und zwar ganz ohne Solarplatten.

Oder einfach, als Formel: Ein eigentümliches Erfolgsrezept, zwei ungleiche Hälften und drei Punkte für Nürnberg. Das bedeutet in Summe: Der Club bleibt auch im sechsten Spiel in Folge ungeschlagen (2:0). 

Ein Spiel mit zwei Seiten

Schon vor dem Spiel war die Aufteilung des Platzes unverkennbar: Fußball auf der einen, Eishockey auf der anderen Seite. Während die Sonne den Platz auf der Nordseite zum Schmelzen brachte, war die verbindliche Rasenheizung auf der Südseite offensichtlich ausgefallen.

Der FCN hatte dadurch weniger Stromkosten und mehr Spielkontrolle. Denn die Bielefelder versuchten im rutschigen Schatten lediglich auf Konter zu lauern. Gegenüber gaben sich die Nürnberger mit mehr Ballbesitz zufrieden, auch wenn ein, zwei Ausrutscher auf der Eisseite zum Pressen eingeladen hätten. Brenzlig wurde es in der frostigen ersten Halbzeit nicht.

Daran konnte auch der verspätete Einsatz der Fangruppen nichts ändern. Im Gegensatz zum Eishockey ereignete sich auf der Eisfläche im Achteck statt Torschüssen nur die Gefahr, dass der xG-Wert genauso wie der GC-Wert (Grad Celsius) unter „Null“ hätte fallen können. 

Die Aufteilung in zwei unterschiedliche Hälften nahmen sich die die Hausherren aber glückicherweise auch spielerisch zum Vorbild. In der zweiten Halbzeit stürmte der FCN weg vom Eis in Richtung Sonnenseite und glänzte dabei eindrucksvoll. Finn Ole Becker provozierte bereits bei einem der ersten Vorstöße ein Foul im Strafraum. Den fälligen Elfmeter verwandelte Lubach mühelos und konnte so den Einsatz seiner Mannschaft direkt in etwas Zählbares umwandeln (49‘).

Den Ofen bereits aufgeheizt, warfen die Nürnberger recht bald das nächste Holzpellet hinterher: Wieder war es der junge Becker, welcher – ihr ahnt es – effizient mit nur einem Ballkontakt passgenau ins kurze Eck einschob (56‘). Ein blitzsauberer Abschluss und die Erkenntnis, dass Nürnberg aktuell Spiele in unter 15 Minuten entscheiden kann.

Der FCN demonstrierte damit nachhaltige Effizienz in einer Entschlossenheit, von der viele Klimaaktivisten nur träumen könnten. Und selbst das Träumen fällt auf fränkisch leichter: Fridays for 1. Fußball Bundesliga

Danach schalteten die Hausherren zurück in den Sparmodus: Wärmepumpe andersherum. Statt in den Boden schraubte sich die gut isolierte und dichte Defensive in den Himmel. Bau-Gruber und Lo-Schloss-villi verriegelten den eigenen Sechzehner. Die Doppel-Blockade aus Drexler und Knochen zeigte ebenfalls Wirkung.

Nach vorne tuckerte nur noch der auf Elektro umgestellte Grimaldi-Express. Dem E-Modell gelang zwar ein Kopfball (74‘), für die Langstrecke gegen Diesel-MoTor-wart Kersken war er jedoch nicht geeignet (90+4‘). Den Gästen aus Bielefeld gelang allerdings auch nur ein gefährlicher Abschluss (84‘). Das Nürnberger Gerüst, in dem Fall der Pfosten, blieb durchgehend stabil.

Am Ende gewinnt der FCN verdient mit 2:0 und befindet sich mittlerweile auf der von Klose beschworenen Siegesserie. Umso besser, dass sich Sparsamkeit besonders auf langen Reisen bezahlbar macht. 

Zwei unterschiedliche Hälften hat auch die Tabelle der 2. Bundesliga. Die Nürnberger stehen dort nun dank ihres Siegs auf Platz 9 und somit mal wieder auf der Sonnenseite. Bielefeld hingegen muss nun Angst haben, weiter abzurutschen. 

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