Sind Sie’s Herr Herberger?

„Ein Spiel dauert 45 Minuten“ lautet das Motto im Max-Morlock-Stadion. Nürnberg begeistert momentan nur in der zweiten Halbzeit, auch im Derby gegen die Westvorstadt. Doch, anders als zuvor gegen Bielefeld, reichte der kontrollierte Kraftaufwand nach dem Wiederanpfiff diesmal lediglich für einen Punkt. Das 275. Frankenderby endete nach (nur) einer unterhaltsamen Halbzeit 2:2.

DFB-Legende Sepp Herberger, bekannt für seine schnörkellosen Sprüche („Der Ball ist rund“), hätte vermutlich wenig Freude an dieser Ausgabe der Frankenmeisterschaft.

Ein Nationaltrainer im Glubb-Dress? Das wäre selbst vor 100 Jahren undenkbar.

Der Weltmeistertrainer von Bern wäre sicher enttäuscht, ins Max-Morlock-Stadion zu gehen, ohne seinen einstigen Schützling, unseren „Maxl“, zu sehen.  Und bestimmt schockiert darüber, dass der große FC Nürnberg heute lieber den englischen Weltmeistern von 1966 und ihrem „Game of two Halves“ nacheifert als der Maxime des „Wunders“ von 1954: „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ (Ein echtes Herberger-Zitat, oder kurz: ein Herbi[1]).

Rätseln statt Siegen

Immerhin: eine andere DFB-Legende, unser Miro, kann den Punkt gegen Fürth durchaus als seinen Erfolg verzeichnen. Der FCN-Trainer stellte aufgrund der Sperre von Rafael Lubach erfolgreich auf eine Fünferkette um. Die oftmals aufgerückten Innenverteidiger um Kapitän Knoche verteidigten zu Beginn resolut. Offensiv bot Grimaldi als echter Neuner eine auffällige Alternative zu dem gesperrten falschen Neuner, Lubach.  Und vor allem: nach einer ereignislosen ersten Halbzeit schien Miro in der Kabine mal wieder, wie einst der große Herberger, die richtigen Worte gefunden zu haben: „Elf Freunde müsst ihr sein“ (Herbi?)

Der FCN startete zielstrebig in die zweite Halbzeit. Den ersten Akzent setzte Finn Ole Becker, allerdings etwas zu hoch (46′). Danach versuchten sich Justvan und Yilmaz vor dem Tor und sogar recht erfolgreich vom Eckpunkt (47′).

Das Kopfballtor von Lochoshvili war dann also reine Formsache und trotzdem besonders. Denn der Treffer des Innenverteidigers sprach für eine geschlossene Tempoverschärfung, von hinten nach vorne, und fiel außerdem in der 48. Minute, also „zum psychologisch besten Zeitpunkt, kurz nach der Halbzeit“ (Herbi?).

Gegen Mannschaften wie Dresden oder Bielefeld hätte dieser effiziente Einsatz vermutlich für den nächsten Heimsieg gereicht. Der Stadtrivale hingegen fand postwendend die Antwort (54′). Aaron Keller nutzte den Raum zwischen Janisch und Gruber, sodass Klaus nur noch ins lange Eck einschieben musste (zum Ärger seines Glubb-Großvaters).

Aber auch die Nürnberger ließen „den Sand nicht im Kopf stecken“ (Herbi?). Der schnellste und laut Kicker beste Nürnberger, Zoma, erzielte den erneuten Führungstreffer, ebenfalls direkt im Gegenzug (57′). Unter fleißiger mithilfe von Ziereis landete das „Runde im Eckigen“ (Herbi?).

Doch so wie auf der Fürther Straße in Nürnberg galt auch im Achteck weiterhin: kein Einbahnverkehr. Abermals unbeeindruckt vom Gegenschlag gelang den Fürthern der nächste Ausgleichstreffer (61′). Vom eigenen bis zum gegnerischen Strafraum kontakteten sich die Kleeblätter so schnell und routiniert nach vorne, dass nicht nur Klose, sondern auch sein Nebenmann, Heiko Vogel, beflügelt sein konnte von dieser Leistungssteigerung in Halbzeit zwei. Wenn das eigene Kontaktspiel bereits nach einer Trainingswoche so gut aussieht, darf man sich selbst als Trainer des vierblättrigen Unkrauts über sein Glück freuen.

Glück hatten der FCN und die Spielvereinigung im Derby allerdings nicht mehr. „Und dann kam auch noch Pech dazu“ (Herbi?). Erst zeigte Grimaldi vergeblich sein Matchwinner Potenzial (70′, 75′). Dann scheiterte Klaus auf der anderen Seite am überragenden Reichert (83′).  Und, weil Schiedsrichter Lars Erbst, ohne große Fehler aber mit viel unangenehmen Übermut, keinen Derbysieger sehen wollte, pfiff er die Partie pünktlich ab. Dabei hätte dem Spiel etwas mehr Verspätung gut getan. Glubb-Spiele sollte man momentan vielleicht generell erst zur 45. Minute anpfeifen, denn: „Nach der Halbzeitpause ist vor dem Spiel“ (eindeutig ein: Hoffmann-Herbi)


[1] Kein Derby-Sieg, aber zumindest ein Quiz: Welche Zitate aus dieser Golumne stammen von Sepp Herberger und sind somit ein echter „Herbi“?

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